Gesellschaftstheoretische Überlegungen

Wie in der Abbildung skizziert, haben verschiedene Faktoren, die untereinander interagieren, Einfluss auf die Ausbildung einer Rechenstörung. Im Sinne einer multiaxialen Diagnostik muss neben den test- und neuropsychologischen Untersuchungen auch eine biographische, Eigen- und Familienanamnese durchgeführt werden, um die psychosozialen Umstände (Achse V des multiaxialen Klassifikationsschemas für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10, Remschmidt & Schmidt, 1994) einschätzen und eine Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung (Achse VI) vornehmen zu können.
Gesellschaftstheoretische Ueberlegungen
Es gibt wenige Studien, die gesellschaftstheoretischen Überlegungen eine empirische Basis verleihen könnten, und diejenigen, die sich mit Fragen der Herkunftsfamilie oder der Schulform beschäftigen stehen unverbunden nebeneinander. Viel wurde über Geschlechtsdifferenzen spekuliert. So konnte z. B. Schildkamp-Kündiger (1974) nachweisen, dass die Unterschiede in der Mathematikleistung von Mädchen und Jungen im Laufe der Schulkarriere zunehmen und sich besonders markant in der gymnasialen Oberstufe zeigen. Mädchen aus reinen Mädchenschulen vermögen deutlich mehr als Schülerinnen aus Koedukationsschulen zu leisten (Lee & Bryk, 1986).
Der Erklärungsgehalt solcher ätiologischer Modelle sollte nicht unterschätzt und in der Forschung stärker berücksichtigt werden.

Lee, V. E. & Bryk, A. S. (1986). Effects of single-sex secondary schools on student achievement and attitudes. Journal of Educational Psychology, 78, 381-395.

Remschmidt, H. & Schmidt, M. (Hrsg.). (1994). Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO (3. Aufl.). Bern: Huber.

Schildkamp-Kündiger, E. (1974). Frauenrolle und Mathematikleistung Düsseldorf: Schwann.

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